Wie sich die Beurteilung der Übersetzungsqualität ändert

Der Übersetzungsprozess unterliegt einem stetigen Wandel. Eins jedoch bleibt unverändert wichtig, egal wohin die Trends führen: die Übersetzungsqualität. Das SDL Translation Productivity-Team hat sich letzten Monat intensiv mit allen Aspekten rund um die Qualität befasst. Meine Aufgabe dabei war die Qualitätsbeurteilung. Trotz der riesigen Fülle an Informationen zu diesem Thema wurde eine Sache schnell klar: Die Methoden zur Beurteilung von Qualität entwickeln sich stetig weiter. Mit diesem Blog möchte ich das komplexe Thema etwas näher beleuchten.

Abhakprinzip

Wie oft haben Sie schon von Übersetzungsdienstleistern gehört, dass sie „hochwertige Übersetzungen“ liefern? Oder die Behauptung von Kunden, dass sie gute Qualität erkennen, wenn sie sie sehen. Qualität ist kein eindeutiges Konzept. Es gibt weder eine festgelegte Definition für „hohe Qualität“, noch gibt es einen einheitlichen Ansatz bei der Beurteilung der Übersetzungsqualität.

Modelle zur Qualitätsbeurteilung bieten strukturierte Methoden zum Beurteilen der Qualität. Bestehende Modelle in der Branche basieren überwiegend auf einer Fehlertypologie. Sprich, verschiedenen Fehlertypen werden unterschiedliche Punktzahlen zugeordnet. Diese Punkte werden zusammengerechnet und wenn die Summe über einem vorab definierten Grenzwert liegt, ist die Qualität der Übersetzung nicht ausreichend.

Wenn Sie ein bestehendes Modell verwenden möchten, sollten Sie sich für das Modell entscheiden, das am besten zu Ihrem Inhalt passt. Das SAE J2450-Modell ist beispielsweise für Technische Dokumentation geeignet. Das MQM-Modell hingegen ist ein gutes allgemeines Rahmenwerk, das es Ihnen ermöglicht, Kennzahlen anzupassen. Diese Modelle bieten insbesondere für Branchen, in denen technische Übersetzungen notwendig sind, ein hervorragendes Rahmenwerk. Mit ihnen kann die höchste Qualität von Übersetzungen sichergestellt werden.

Ein flexiblerer Ansatz

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung hat sich auch die Art und Weise des „Konsums“ von Inhalten verändert. Dies wiederum hat Änderungen bezüglich der Form und Häufigkeit der Inhaltserstellung mit sich gebracht. Bei digitalen Inhalten, die eine kurze Lebenszeit von nur einem Monat haben, ist u. U. nicht dieselbe Übersetzungsqualität erforderlich wie bei Druckbroschüren. Common Sense Advisory (CSA Research) erklärt, dass „Universal-Qualitätsmodelle unzureichend [sind], um die individuellen und unterschiedlichen Bedürfnisse moderner Unternehmen zu erfüllen. Ein flexibles Modell ermöglicht es Ihnen, Prozesse zu justieren, ohne jedes Mal neue Tools bereitstellen zu müssen.“

Genau hier kommen solche Modelle ins Spiel, die mehr als eine Methode zur Beurteilung der Qualität bieten. Das TAUS DQF-Modell bietet beispielsweise Methoden zur Beurteilung des Sprachflusses, von MT-Systemen, Post-Editing-Aufgaben, Angemessenheit und Produktivität. Attila Görög, Director of Business Development bei TAUS erklärt: „Es gibt nun Mittel und Wege, verschiedene Qualitätsniveaus anzubieten. Vor etwa 20 bis 25 Jahren, als diese Technologien noch nicht zur Verfügung standen, erhielten Übersetzer eine Ausgangsdatei und die gelieferte Übersetzung hielt höchsten Qualitätsansprüchen stand. Es gab im Grunde genau ein Qualitätsniveau: das der konventionellen, vom Menschen angefertigten Übersetzung. Aufgrund neuer Technologien und neuer Übersetzungs-Workflows und vorherrschender Budgetzwänge auf Seite der Einkäufer sind Übersetzer allerdings manchmal gezwungen, eine geringere Qualität zu liefern. Ich bin daher davon überzeugt, dass das Niveau der heute erforderlichen Qualität ausschlaggebend ist für die Art und Weise, wie wir Qualität beurteilen.“

In der vor Kurzem veröffentlichten Darstellung „How to Assess Translation Quality“ bieten die Analysten von CSA Research einen umfassenden Überblick über die verfügbaren Modelle und bestehenden Beurteilungsmethoden.

Beurteilung der Qualität in der Praxis

Wenn sich die Kennzahlen ändern, mit denen die Qualität gemessen wird, ändern sich auch die Form des Zugriffs auf diese Kennzahlen sowie deren Nutzung durch Übersetzer. Nicht zuletzt deswegen umfasst SDL Trados Studio 2015 nun das sogenannte Translation Quality Assessment (TQA)-Tool. Benutzer können damit mühelos eine Beurteilung der Qualität durchführen. Dazu können sie entweder auf bestehende Modelle der Branche zurückgreifen oder ein eigenes Rahmenwerk im Tool erstellen. Sie können sogar noch einen Schritt weiter gehen, indem sie die offene Studio 2015-API nutzen, um eigene Plug-ins zur Beurteilung der Qualität zu entwickeln. Dadurch stehen ihnen nahezu grenzenlose Möglichkeiten zur Verfügung, maßgeschneiderte Qualitätsbeurteilungen zu entwickeln. Die Flexibilität der offenen API ermöglichte es TAUS beispielsweise, das TAUS Quality Dashboard-Plug-in zu entwickeln. Damit haben Studio 2015-Benutzer die Chance, ihre Produktivitäts- und Qualitätsdaten zu analysieren. Dieses Plug-in steht kostenlos zum Download im SDL OpenExchange App-Store zur Verfügung.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Prozesse zur Beurteilung der Qualität sind in den letzten Jahren zweifellos flexibler geworden, um den sich ändernden Anforderungen von Textredakteuren entgegenzukommen. Doch was steht als Nächstes an? Ich habe Herrn Görög gefragt, was er über die Zukunft der Beurteilung von Übersetzungsqualität denkt: „Ich glaube, dass Transparenz und Benchmarking zum nächsten großen Trend werden. Es reicht nicht aus, groß zu behaupten „Ich bin der Beste und biete die beste Qualität“. Jeder behauptet das. Es sollte Möglichkeiten geben, dies auch zu beweisen. Zum Beispiel, indem die Ergebnisse mit anderen geteilt werden und zur Aufstellung von Branchendurchschnitten eingesetzt werden.“

Unabhängig davon, ob für Ihr Unternehmen das Abhakprinzip ausreicht oder ob Sie nach etwas Flexiblerem suchen: Es gibt bereits Technologie, mit der Sie einen Prozess zur Beurteilung der Qualität schaffen, der Ihren individuellen Anforderungen entspricht.

Unser neues eBook „Das Streben nach Perfektion beim Übersetzen“ bietet einen umfassenden Einblick in das Thema Übersetzungsqualität. Wenn Sie wissen wollen, wie das alles in der Praxis funktioniert, melden Sie sich für unser Live-Webinar zum Thema „Messen der Qualität mit der TQA-Funktion von Studio 2015“ an. Besuchen Sie in den kommenden Wochen auch unsere Webseite Qualität ist wichtiger als je zuvor, auf der wir immer wieder neue Ressourcen zu diesem Thema veröffentlichen werden, darunter Infografiken und Anleitungsvideos.