how to maintain a healthy work life balance image

Wie erreiche ich eine gesunde Work-Life-Balance

Eine gesunde Work-Life-Balance zu erreichen und beizubehalten, ist keine leichte Aufgabe. Diese praktischen Tipps können Ihnen dabei helfen, das richtige Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu finden.

Die Arbeit spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle. Ohne Geld gehen die Lichter aus, die Miete wird nicht bezahlt, das Sparschwein bleibt leer, und es kommen keine Brötchen auf den Tisch.

Ganz gleich, ob Sie als freiberuflicher Übersetzer, bei einer Agentur oder in einem internen Übersetzungsteam arbeiten – die Arbeitskultur in der Lokalisierungsbranche hat sich im Jahr 2020 stark verändert. Wir verbringen nun mehr Zeit im Homeoffice und verfügen außerdem über ausgeklügeltere Technologien. Was freiberufliche Übersetzer bereits seit Langem wissen, haben nun auch viele Übersetzer von Agenturen und Unternehmen erkannt: Von zu Hause aus zu arbeiten hat seine Vorteile. Man muss nicht zwischen der Arbeit und den eigenen vier Wänden hin- und herpendeln, unbequeme Arbeitskleidung tragen oder schlechten Kaffee aus dem Automaten trinken. Und dank der immer raffinierteren CAT-Tools, die wir im Büro genauso wie zu Hause verwenden können, lassen sich schneller und einfacher denn je konsistente Übersetzungen anfertigen.

Aber es gibt natürlich auch Nachteile. Wer von zu Hause aus arbeitet, lässt sich häufig leichter von Smartphone, E-Mail, sozialen Netzwerken und anderen Technologien ablenken. Wie also erreicht man eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben?

Jamie Hartz von Tilde Language Services ist eine ATA-zertifizierte freiberufliche Übersetzerin (Spanisch-Englisch) mit Kunden aus einer Vielzahl von Branchen. Und sie weiß nur zu gut, wie schwierig es ist, eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu erreichen. Darum hat sie sich bereit erklärt, einige Tipps zusammenzustellen, wie man am besten das richtige Gleichgewicht finden kann.

1. Nicht jederzeit verfügbar sein

Dieser Tipp ist vielleicht nicht für jeden gleich wichtig, ich fand es aber besonders in der Anfangsphase meiner Karriere als Freiberuflerin schwierig, nicht dauernd verfügbar zu sein.  

Dies ist vermutlich hauptsächlich für Freiberufler relevant, die befürchten, dass sie Chancen verpassen, wenn sie mal nicht verfügbar sind. Sie glauben, dass sie Kunden enttäuschen oder sogar verlieren könnten, wenn sie eine E-Mail verpassen oder nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums antworten. Diese Angst ist auch nicht vollkommen unbegründet, denn es gibt tatsächlich Chancen, die nur kurzfristig verfügbar sind. Man sollte sich also mit der Tatsache abfinden, dass gewisse Chancen zwangsläufig verpasst werden – häufig, ohne dass man sich dessen überhaupt bewusst ist. 

Bei Übersetzern in Agenturen oder Unternehmen ist das zwar etwas anders, doch auch sie können den Druck verspüren, auch außerhalb der regulären Arbeitszeit oder am Wochenende verfügbar sein zu müssen. Hier gilt es, klare Grenzen zu ziehen.

Wenn Sie sich also von Ihrem Schreibtisch entfernen, prüfen Sie nicht ständig Ihre geschäftlichen E-Mails auf dem Smartphone und lassen Sie sich den wohlverdienten Feierabend nicht durch Push-Benachrichtigungen verderben.

2. Sich nicht von Schuldgefühlen erdrücken lassen

Im Jahr 2020 mussten sich viele Übersetzer, die normalerweise im Büro arbeiten, an den Alltag im Homeoffice gewöhnen. Und auch für diejenigen von uns, die schon immer von zu Hause aus gearbeitet haben, gab es große Umstellungen, da nun möglicherweise auch der Partner oder die Kinder zu Hause blieben. 

Viele meiner Kolleginnen und Kollegen mussten ihr Homeoffice mit dem Partner teilen und sich gleichzeitig um das Homeschooling der Kinder kümmern. Natürlich muss man sich glücklich schätzen, wenn man angesichts der Pandemie überhaupt arbeiten kann. Allerdings kann diese Situation auch Schuldgefühle hervorrufen, wenn man den Menschen um sich herum nicht die gewünschte Aufmerksamkeit widmen kann.

Wenn Sie fleißig an Ihren Übersetzungsprojekten arbeiten, fühlen Sie sich möglicherweise schuldig, weil Sie Ihren Kindern nicht genug Beachtung schenken oder Ihren Partner vernachlässigen. Und wenn Sie sich mitten am Tag Zeit zum Spielen mit den Kindern oder für einen Spaziergang mit Ihrem Partner nehmen, fühlen Sie sich vielleicht schuldig, weil Sie nicht am Schreibtisch sitzen. 

Ganz gleich, wie wir versuchen, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen – es wird immer wieder zu solchen Schuldgefühlen kommen. Und das ist nicht fair, denn Schuldgefühle tragen nicht gerade zur Produktivität bei. Legen Sie daher am besten fest, wann Sie sich auf die Arbeit und wann auf die Familie konzentrieren möchten, und lassen Sie sich dabei nicht von Schuldgefühlen leiten. 

3. Nicht zu viele Aufträge annehmen

Jeder muss für sich eine Grenze ziehen, wenn die Arbeit überhandnimmt (die Frage, wann genau der Zeitpunkt gekommen ist, kann nur jeder selbst beantworten). 

Übersetzer in Agenturen und Unternehmen sollten sich an ihren Vorgesetzten wenden, wenn die Arbeitslast über längere Zeit zu hoch ist. Freiberufler (und vor allem Neueinsteiger) übernehmen häufig zu viele Aufträge, wenn sie versuchen, einen lukrativen Kunden zu gewinnen. Doch auch für sie ist es wichtig, diese Grenze zu ziehen, um negative Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben zu vermeiden. 

Während der Pandemie habe ich insbesondere festgestellt, dass die geschäftigen Wochen noch geschäftiger sind als sonst – und die ruhigeren Wochen noch ruhiger. Das kann dazu verleiten, jeden Auftrag anzunehmen, weil man nie weiß, was nächste Woche kommt. Das macht die aktuelle Situation noch um einiges problematischer. 

Ich stelle mir daher immer erst die Frage: Kann ich bei meinem Arbeitsvolumen noch eine hochwertige Übersetzung gewährleisten? Ob Sie nun wie ich Freiberufler sind oder nicht, sollten Sie sich das immer fragen, bevor Sie ein neues Projekt annehmen.

4. Unabhängig vom Arbeitspensum regelmäßig Pausen einlegen – und auch das Essen nicht vergessen!

Selbst wenn Sie viel zu tun haben, sollten Sie ab und zu eine Pause machen. Denn nach einer kurzen Pause von der Arbeit kehrt man häufig mit frischem Elan zurück. Nutzen Sie die Auszeit beispielsweise, um etwas zu essen – schließlich sollten Mahlzeiten nie am Schreibtisch eingenommen werden. So geben Sie Ihren Augen und Ihrem Gehirn eine Ruhepause und können die Arbeit hinterher erfrischt fortsetzen.

Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon ohne Pause bis 14 Uhr durchgearbeitet habe (ich esse normalerweise um 12 Uhr), und ich merke dann immer, wie meine Produktivität nachlässt – einfach, weil ich hungrig bin! Vergessen Sie also nicht Ihre grundlegenden Bedürfnisse und denken Sie daran, dass etwas derart Banales wie Essen einen großen Unterschied machen kann. 

5. Realistische Erwartungen für den Arbeitsalltag festlegen

Erstellen Sie einen Zeitplan, in dem Sie aufführen, wann und wie lange Sie woran arbeiten werden. Ich verwende Google Kalender für das Zeitmanagement. Damit kann ich mir ganz leicht zu Beginn des Arbeitstags eine Übersicht über die anliegenden Aufgaben verschaffen. Das hilft mir, meine Projekte und Gedanken zu organisieren, und lindert allgemein meinen Stresspegel, da ich alles direkt vor Augen habe. 

Mit einem Kalender können Sie auch leichter die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben definieren, z. B. durch unterschiedliche Farben für private und berufliche Einträge. So sehen Sie auf einen Blick, ob Sie ein gesundes Gleichgewicht erreichen. Damit ich mich nicht zu stark mit Arbeit eindecke, gebe ich auch Verabredungen mit Freunden und Familienmitgliedern in den Kalender ein. Dadurch weiß ich, ob ich einen Auftrag übernehmen kann, ohne mein Privatleben zu beeinträchtigen. Sie können auch einen Blick auf die vorherigen Wochen werfen und sehen so, wie gut Sie die Balance zwischen Arbeit und Privatleben halten konnten. Möglicherweise können Sie die folgenden Wochen dann genauso planen.

Beim Festlegen eines Zeitplans ist jedoch wichtig, dass er flexibel ist. Denn in unserer Branche gibt es immer wieder Dinge, die sich ganz kurzfristig ergeben oder ändern.

6. Abwesenheitsnotizen verwenden

Manchmal will ich einfach nur abschalten und nichts von Computer und E-Mails wissen. Und manchmal möchte ich meine Kunden wissen lassen, dass ich zwar nicht am Schreibtisch, aber dennoch erreichbar bin. 

Hier kommen Abwesenheitsnotizen ins Spiel. Meistens schreibe ich in der Notiz, dass ich im Moment nicht am Schreibtisch bin und möglichst bald antworten werde. 

So kann ich mir eine Auszeit gönnen, ohne potenzielle Kunden komplett im Regen stehen zu lassen. Die Kunden wissen dann, dass sie eine Antwort von mir erwarten können, sich bei dringenden Anfragen aber möglicherweise anderweitig umsehen müssen.
  
Die Abwesenheitsnotizen fungieren also in gewisser Weise als Puffer zwischen der Arbeit und dem Privatleben. Setzen Sie sie daher bewusst ein, um sich bei Bedarf den nötigen Freiraum zu verschaffen.

7. Stress abbauen

Mein Rezept zum Abbauen von Stress – und natürlich auch, um mich fit zu halten – ist Laufen. Es muss aber nicht zwangsläufig Sport sein. Finden Sie einfach eine Aktivität, die Sie mögen und die Ihnen hilft, den Stress zu bewältigen. 

Das könnte zum Beispiel Yoga, Stricken oder ein Spaziergang mit Ihrem Hund sein. Alles, was dazu führt, dass Endorphine im Gehirn produziert werden, reduziert Stress und hilft Ihnen, sich wieder voll auf Ihre Arbeit zu konzentrieren.

8. Vorteile der Technologie nutzen

Es gibt viele tolle Apps, die Ihnen helfen können, Arbeitszeit und Freizeit besser einzuteilen – vom Google Kalender, den ich ja bereits erwähnt habe, bis hin zu Pomodoro-Timern. Letztere helfen Ihnen, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren.  

Ich nutze außerdem die App Digital Wellbeing, um mir einen Überblick über meine digitalen Gewohnheiten zu verschaffen. Besonders toll finde ich den Entspannungsmodus der App. Dabei werden in einem als Schlafenszeit gekennzeichneten Zeitraum sämtliche Benachrichtigungen blockiert. So erhalte ich in dieser Zeit keine Benachrichtigungen mehr und verspüre außerhalb der Arbeitszeit nicht dauernd das Bedürfnis, meine E-Mails zu lesen. 

Ein Kollege hat mir neulich auch die App Timeular empfohlen. Ich habe sie zwar bisher noch nicht ausprobiert, aber soweit ich weiß, kann man dabei mithilfe eines achtseitigen Würfels, der mit dem Smartphone verknüpft ist, die mit einzelnen Aufgaben verbrachte Zeit erfassen. Dazu legt man den Würfel einfach auf die entsprechende Seite und sieht dann auf dem Smartphone, was man den ganzen Tag über gemacht hat. Das klingt wirklich interessant!


Wenn Sie erst seit Kurzem von zu Hause aus arbeiten oder einfach auf der Suche nach weiteren Ratschlägen sind, empfehle ich Ihnen den englischsprachigen Blogpost How translators can stay productive and healthy when working from home. Dort finden Sie praktische Tipps dazu, wie Sie im Homeoffice möglichst effizient arbeiten.

 Die mentale Gesundheit ist für Übersetzer genauso wichtig wie die körperliche, und in vielerlei Hinsicht gehen beide Hand in Hand. Im englischsprachigen Blogpost Simple tips to help you keep a positive mindset as a busy translation professional erfahren Sie, wie Sie durch die Kraft des positiven Denkens Ihre Übersetzungsproduktivität steigern können.